Monatsandacht

Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte und sie gebar einen Sohn.
Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.
nach Lukas 1, 57-66

Andacht zum Johannistag

Elisabeth: Die Freude war wirklich groß.
Plötzlich, aus heiterem Himmel, waren da andere Umstände - und ich war in guter Hoffnung.
Zumal, in meinem Alter, und wo doch alle dachten, dass es zwischen Zacharias und mir nichts mehr werde mit solch freudigen Ereignissen.
Es hieß vorher, es hätte an mir gelegen.
Gewiss, gebetet hatte ich genug, und Gott angefleht, er solle doch die Schmach der Kinderlosigkeit beenden.
Das Gerede der Leute war manchmal kaum auszuhalten.
Wie der Stolz der jungen Mädchen, wenn sie mit ewigem Grinsen ihre dicken Bäuche zur Schau trugen.
Ich habe gehofft, Gott könnte es doch so arrangieren wie damals bei Abraham und Sarah, die war ja auch schon alt. Aber wer hat denn wirklich daran geglaubt, dass es noch etwas wird mit dem Kind.
Und wenn doch - dass es gesund auf die Welt kommt. Und eine Mutter hat.
Die Freude also war groß. Und die Dankbarkeit.  

Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und sie wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen.
Aber seine Mutter antwortete und sprach:  

Elisabeth: Nein, er soll Johannes heißen.  

Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.  

Elisabeth: Muss man immer das tun, was die anderen erwarten?
Viel hatte ich mir dabei gar nicht gedacht, es ist mir einfach so herausgerutscht.
Es war, als hätten sich meine Lippen von selbst bewegt.
Johannes heißt: Der Herr ist gnädig. Und das stimmt ja auch.  

Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte.
Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb:

Zachäus: schreibt
Er heißt Johannes.  

Und sie wunderten sich alle.  

Elisabeth: Auch ich habe mich gewundert.
Wobei mir nicht ganz klar war, worüber sich die Leute mehr wunderten: Dass ein Mann auf seine Frau gehört hat oder
dass auch er den Name seines Sohnes gegen alle Gepflogenheiten auswählte.
Ich hätte damals Zacharias gerne gefragt, warum. Aber der war ja immer noch sprachlos.
Seit er von meiner Schwangerschaft wusste und er das nicht glauben konnte, hat es ihm die Sprache verschlagen. Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.  

Zachäus: Gebetet hatte ich schon lang, dass es noch etwas werde mit einem Kind für Elisabeth.
Am liebsten einen Jungen.
Einen, der für uns sorgt, wenn das bei uns mal nicht mehr so klappt.
Einen, der das Leben, die Familie und den Namen weiter trägt.
Einen, der ein Retter sein kann und uns rettet aus dem Alltag unserer Zweisamkeit. Als es dann soweit war, wollte ich es einfach nicht glauben. Mein Staunen war groß, meine Zweifel waren größer. Aber jetzt konnte ich nur noch froh sein. Jetzt kamen andere Fragen:

Elisabeth: Was wohl aus dem Kind werden wird?

Zachäus: Wenn er redet, wo andere schweigen.

Elisabeth: Wenn er aufsteht, wo andere gemütlich sitzen.

Zachäus: Wenn er kämpft gegen alles Korrupte.

Elisabeth: Wenn er Eingefahrene zum Kurswechsel drängt.

Zachäus: Wenn er sich anlegt mit all den  Besserwissern und Gelehrten.

Elisabeth: Wenn er Reichen vom Teilen erzählt.

Zachäus: Wenn er Kriegern vom Frieden berichtet.

Elisabeth: Wenn er dem König die Wahrheit sagt.

Zachäus: Wenn der dem Herrn das Wasser reicht.  

Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas.
Und alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

Tobias Petzoldt